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20.12.16: Post an die Märkische Allgemeine Zeitung, Redaktion Jüterbog.

Und wenn alles, was man sagt, wahr sein muß, so ist darum nicht auch Pflicht, alle Wahrheit öffentlich zu sagen.“ (Immanuel Kant)

wenn man aufmerksam die MAZ liest, dann scheinen drei Männer die Freiheit dieser Welt besonders zu bedrohen: der russische Präsident Wladimir Putin, der zukünftige Präsident der USA Donald Trump und der Jüterboger Bürgermeister Arne Raue. Dem Kampf gegen den Letzteren scheinen Sie sich in erster Reihe verschrieben zu haben.

Diese Auseinandersetzung fand in der MAZ-Ausgabe vom 17./18.12.16 mit ihrem Kommentar „Jüterboger Zensur“ einen neuen Höhepunkt. Da ich mit dem Medium „Facebook“ nicht zu tun haben will, kann ich mich nicht dazu äußern, was Sie und Raue dort miteinander treiben. Angeblich hätte der Bürgermeister vor Krätze-Fällen in der Stadt gewarnt. Dazu scheint er einen guten Grund gehabt zu haben. Denn das Kreisgesundheitsamt, ließ erst vor wenigen Tagen an Jüterboger Schulen Merkblätter mit einer Warnung vor Krätze verteilen. Ein Dr. Floss teilt darin beispielsweise den Eltern bei der Wiesenschule mit: „In der Gemeinschaftseinrichtung, die ihr Kind besucht, sind Fälle von Krätze (Scabies) aufgetreten.“ Und Sie, Herr Degener, zitierten im Ihrem Kommentar das gleiche Amt mit der grundsätzlichen Aussage, „wonach Flüchtlinge von der Krätze nicht betroffen sind und diese auch nicht verursacht haben“.

Wenn ich Sie recht verstanden habe, dann nennen Sie die Anfrage beim Gesundheitsamt, einer weisungsgebunden Behörde, die einer Landrätin der LINKEN untersteht, „Recherchen der MAZ“. Ich habe mir mal die kleine Mühe gemacht, am 18.12.16 selbst im Internet zum Thema recherchieren (Links zu den Zitaten liegen vor). Mich als ehemaligen Krankenpfleger interessierte die Frage, was dazu geführt hat, daß diese Krankheit, die nachdem in Deutschland die schlimmen Nachkriegsjahre überwunden waren, so gut wie verschwunden war, wieder verstärkt auftritt.

Die Zeitung „WELT“ gesteht ein, daß die fast vergessene Krankheit wieder auf Vormarsch ist: „Viele Jahre war es still geworden um die Krätze. Doch jetzt kehrt sie zurück, vor allem in Nordrhein-Westfalen. Städte wie Düsseldorf, Duisburg und Aachen vermelden laut Hautärzten und Gesundheitsämtern zunehmende Fallzahlen.“ Da die WELT wie die übrige Springer-Presse derzeit besonders von hoher Staatsraison geprägt ist, sieht sie als Hauptgrund für die neue Seuche, „daß sich der auslösende Parasit zu verstecken gelernt hat.“ Das zeugt war nicht allzu hoher naturwissenschaftlicher Bildung, dafür aber von großer politischer Korrektheit und entspricht somit wohl dem Niveau der noch vorhandenen Leser.

Krankheiten wie Krätze und Tuberkulose gelten in Deutschland als überwunden. Doch durch den Flüchtlingszustrom gewinnen sie plötzlich an Bedeutung. Krankenhäuser klagen über die enorme Belastung.“ Diese Nachricht kommt von keinem rechtsradikalen Verschwörungstheoretiker, sondern vom Fernsehsender N 24, der darüber hinaus feststellte: „Die Krankenhäuser sehen sich durch die steigenden Flüchtlingszahlen zunehmend in Bedrängnis.“ Außerdem läßt der Sender den Experten für internationale Beziehungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Marc Schreiner, wie folgt zu Wort kommen: "In den Kliniken werden immer häufiger Patienten mit Krankheitsbildern vorstellig, die in Deutschland bereits als ausgeräumt galten, wie etwa Krätze.“

Hautärzte berichten uns, daß die Fälle von Krätze in ihren Praxen wahnsinnig zugenommen haben“, sagt Ralf Blumenthal, Sprecher des Berufsverbands der deutschen Dermatologen, im Gespräch mit den „Business Insider“. Konkrete Zahlen gebe es zwar nicht, aber der sich bereits seit einigen Jahren verstärkende Trend sei eindeutig. In wissenschaftlichen Fortbildungen seien die Diagnose und Behandlung der juckenden Hauterkrankung zunehmend ein großes Thema, so Blumenthal.

Eine Webseite, die als „Krätze-Ratgeber“ angelegt ist, verkündet: „Inzwischen häufen sich die Meldungen des Ausbruchs der Krätze in immer mehr Flüchtlingsheimen. Erste Verlautbarungen in der Erstaufnahmestelle Jenfelder Moorpark erwiesen sich als ernstzunehmend. Inzwischen ist auch die größte Aufnahmestelle „Schnackenburgallee“ in Hamburg betroffen. Derzeit befinden sich dort cirka 2.000 Flüchtlinge, von denen allein im Juli bereits 19 Fälle der Krätze gemeldet wurden.“

In der Stadt Werdohl hatte die Verwaltung erfahren, daß einige Bewohner der Flüchtlingsunterkunft unter einer juckenden Hautreaktion litten. Das bestätigte Sozialamtsleiter Bodo Schmidt auf Anfrage einer Lokalredaktion. „Vermutlich handele es sich um eine Scabies-Infektion. Landläufig ist diese Erkrankung als Krätze bekannt. Die Stadt habe darauf unverzüglich reagiert, indem sie die erkrankten Personen dazu gebracht habe, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Außerdem seien die von den Erkrankten bewohnten Zimmer geräumt worden.“

Insbesondere in Nordrhein-Westfalen berichten lokale Medien von zum Teil massiven Zunahmen. In der Städteregion Aachen stieg die Zahl der gemeldeten Fälle von elf im Jahr 2013 auf 316 im November dieses Jahres. „Es gibt keine Erklärung für diesen Anstieg“, kommentierte politisch-korrekt ein Sprecher der Städteregion den Trend. Doch wie das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium zugeben mußte, stieg die Zahl der an der Krätze Erkrankten im Großraum Aachen von 2015 bis November 2016 um 75 Prozent. Ähnlich wie das Gesundheitsamt Luckenwalde äußerte sich das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium gegenüber „Business Insider“ nicht zu der Frage, ob der Anstieg der Fallzahlen in dem größten Bundesland etwas mit der hohen Zahl an Flüchtlingen oder den vielen Armutszuwanderern aus Südosteuropa zu tun habe. Dennoch traute sich der „Business Insider“ zu resümieren: „Wenn jedoch viele Menschen auf engem Raum zusammenwohnen oder wenn die Hygiene mangelhaft ist, ist das Infektionsrisiko Medizinern zufolge besonders hoch.“

Im Bundesland Bayern geht man dank der Berlin-kritischen CSU wesentlich freier mit dem Thema um. So schrieb der „Bayernkurier“: „In Deutschland tauchen plötzlich wieder selten gewordene Infektionskrankheiten vermehrt auf – beispielsweise Hepatitis-B, Tuberkulose und Krätze. Allein die Zahl der Hepatitis-B-Fälle in Bayern hat sich heuer beinahe verdreifacht. Nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit in Erlangen (LGL) sei die Zunahme von Asylsuchenden ein Grund für den deutlichen Anstieg.“

Dem Thema konnte sich auch die „Berliner Morgenpost“ nicht verschließen. Hier war zu lesen, „in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft in der Radelandstraße hat es… einen Verdacht auf Krätze und Tuberkulose (TBC) gegeben.“ Selbst die immer 100%ig auf Regierungslinie liegende MAZ kann sich dem Thema nicht komplett verschließen und gestand indirekt ein, wo die Ursache der neuen Seuche herstammt. Anlaß des Artikels war die vermeintliche Anweisung des Berliner Polizeipräsidenten, an Krätze erkrankte Flüchtlinge mit Armbinden zu kennzeichnen. In einer in der MAZ zitierten Information der DPA hätte die Bundespolizeidirektion Berlin folgende Mitteilung gemacht: „Nach Informationen des FüSt PP BB wurde bei vereinzelten Flüchtlingen eine Erkrankung an Krätze festgestellt.“

Und auch die sogenannte Qualitätspresse, so das Politmagazin FOCUS, erkannte erst Anfang dieses Monats (5.12.16, 20.00) Zusammenhänge zwischen den zunehmenden Infektionskrankheiten und der Masseneinwanderung. „Die Hautkrankheit Krätze ist hierzulande wieder auf dem Vormarsch. Ärzte beobachten bundesweit einen Anstieg der Erkrankungszahlen… Mediziner glauben, daß die aktuellen Krätzefälle vom Balkan und aus Kriegsgebieten eingeschleppt wurden.“

Doch vergessen wir einmal die Massenmedien. Statt dessen schauen wir lieber, was das „Dermaportal“ (DERMA.PLUS), eine Pharma-Webseite für Hautärzte, zu sagen hat. Demnach hat sich der Einsatz von Antiskabiosa in den letzten drei Jahren verdreifacht. „Daß der Bedarf für ein effektives Behandlungsmittel wie Scabioral® heute höher ist denn je, belegen schockierende Zahlen: So ist der Absatz von Mitteln zur Behandlung der Krätze von 2010 auf 2015 um über 194 Prozent gestiegen… In Europa liegt die Krätze-Prävalenz im Schnitt bei 0,5-2 pro 1000 Einwohner, Tendenz zuletzt steigend. Doch nicht nur in Deutschland haben vor allem die Massenmigration und die damit verbundene Unterbringung von Flüchtlingen in leider nicht selten beengten und mangelhaft hygienischen Verhältnissen zu einem dramatischen Anstieg der Krätze-Erkrankungen geführt.“ Demnach ist auch in anderen europäischen Ländern das Problem akut. Das Dermaportal zitiert einen Bericht der „Daily Mail“ vom Juni 2015, wonach in einem illegalen Flüchtlingslager in Paris die Krätze ausgebrochen war. Genau deshalb sah sich die Polizei gezwungen, das Camp aufzulösen – zu groß war die Sorge, die infizierten Personen könnten nach Calais und von dort nach Großbritannien weiter reisen und so die Skabies-Milben verbreiten. „Dies war nur einer von zahlreichen Fällen, bei denen Ordnungshüter ein Flüchtlingscamp auflösten, um eine weitere Ausbreitung der Krätze zu verhindern.“

Das weiß das Medium der Dermatologen. Dem Luckenwalder Gesundheitsamt blieb diese Entwicklung offenbar verborgen. Und die MAZ sieht keinen Grund, diese Unwissenheit der lokalen Behörde, die gleichzeitig Warnzettel verschickt, zu hinterfragen. Das ist wohl kaum der Weg, um den arg angekratzten Ruf der Presse noch zu retten.

Die permanente Politpropaganda in Deutschland gegen Putin und Trump wird die Regierungen in Moskau oder Washington nicht erschüttern. Sie erschüttert aber zutiefst das Vertrauen vieler Deutscher in die Glaubwürdigkeit der Massenmedien. Eventuell entsteht durch derartige Kommentare ein ähnlicher Effekt auch in dem kleinen Jüterbog.

Mit freundlichen Grüßen

Henrik Schulze

N.B.: Die Ereignisse von gestern Abend (Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt) zeigen, die Krätze ist noch nicht das Schlimmste…