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Brief an Bischof Bedford Strohm vom 27.12.2016

Sehr geehrter Herr Bischof Bedford-Strohm!

Am 23. Dezember stand in der Märkischen Allgemeinen Zeitung unter der Überschrift „Lichter künden von Ratlosigkeit und Hoffnung“ zu lesen: „Symbolhaft für jedes durch den Anschlag ausgelöschte Leben zündeten… auf den Stufen des Altarraums zwölf Kerzen. Trotz des Bezugs zum Weihnachtsfest, den der Anschlag besaß, hatten die beiden Theologen darauf verzichtet, die Gedenkveranstaltung mit christlicher Symbolik zu vereinnahmen.“ – Die Jüterboger St. Nikolai-Kirche ist mehr als 750 Jahre alt. Und vermutlich noch nie ist es in der Geschichte dieses Gotteshauses passiert, daß Pfarrer bei einem Totengedenken vorsätzlich auf „christliche Symbolik“ verzichteten.

In Anbetracht dessen, daß Sie, Herr Bischof, es für opportun hielten, am 20. Oktober diesen Jahres Ihr Bischofskreuz in Jerusalem schamhaft in der Hosentasche verschwinden zu lassen, nehme ich an, daß was hier in Jüterbog passierte wohl der gängige Geist der von Ihnen als EKD-Ratsvorsitzenden geführten Amtskirche ist.

Ich denke, ich kann mir die Kritik an Ihren Verhalten erlauben. Mitte der 60er Jahre trug ich in der DDR-Oberschule das Abzeichen der Jungen Gemeinde am Revers, wohl wissend, daß noch zwei Jahrgänge zuvor Mitschüler aus gleichem Grund nicht zum Abitur zugelassen worden sind. Also bestand mein Risiko darin, schlimmstenfalls zwei Jahre Schulzeit verloren zu haben und keine Studienreife zu erlangen. Wieviel mehr riskierten die Männer der Bekennenden Kirche in der NS-Zeit, um von den Märtyrern der Frühzeit der Kirche gar nicht zu reden.

Und worin bestand Ihr Risiko, wenn Sie ihr Kreuz getragen hätten - bestenfalls in einem Platzverbot. Und dafür lassen Sie das Symbol dessen, der sich als Gottes Sohn für die ganze Menschheit geopfert hat, peinlich von ihrer Brust verschwinden.

Es gibt das Sprichwort: Wenn ein Mann nicht bereit ist, für eine Idee Opfer zu bringen, dann taugt die Idee nichts oder Mann taugt nichts.

Aus Protest gegen diese Art von Anbiederung gegen die zunehmende Islamisierung Europas ist vor zehn Jahren Pastor Weißelberg in Erfurt am Reformationstag in den Feuertod gegangen. Was hat das Fanal gebracht? Ich habe den Eindruck das Kapitulantentum der evangelischen Kirche ist jetzt noch viel schlimmer geworden, wie das obige Beispiel aus Jüterbog belegt.

Es mag sein, daß der syrische Staat keine Demokratie nach unserem Muster darstellt. Doch trotzdem oder gerade deshalb konnten dort Moslems aller Varianten mit Christen und Juden friedlich zusammenleben. Das wäre wie im Irak oder Libyen auf Dauer vorbei, falls die Islamisten einen Sieg davon tragen würden. Nun konnten in Aleppo die Christen erstmals wieder das Weihnachtsfest begehen. Befreit wurden sie von der syrischen Armee mit Hilfe russischer Streitkräfte, während ihre Unterdrücker vom Westen mit Geld, Waffen und Armeeberatern Unterstützung bekamen. Wo fanden in der evangelischen Kirche dafür Gedenkgottesdienste statt? Ich habe nichts dergleichen vernommen.

Sie müssen mir nicht antworten, denn ich bin bereits aus dieser Kirche ausgetreten.

Mit freundlichen Grüßen

Henrik Schulze

27.12.2016