Kommentare zur Zeitgeschichte - Kommunal
Es geht mir um den Erhalt der einzigartigen städtebaulichen Erscheinung Jüterbogs. Hier ist die mittelalterliche geprägte Altstadt ebenso gemeint wie die Kasernenareale an der Peripherie. Außerdem setze ich mich ein für die Bewahrung kultureller Traditionen, der Pflege unserer regionaltypischen Sprache, von Brauchtum und Folklore. Auch der Erhalt unserer landschaftlichen Schönheiten ist ein Teil davon.  

Zur Verdopplung der Baukosten an der B 102 / Schloßstraße

17. März 2009 Leserbrief zur MAZ vom 16. III. 09: „B102 wird zur Großbaustelle“

„Das kann doch nicht wahr sein!“ möchte man ausrufen. 2,1 Millionen Euro waren für den ersten Bauabschnitt der B 102 geplant, nun soll es aber 4,1 Millionen Euro kosten. In den Pressemitteilungen dazu hieß es, man hätte nicht gewußt, daß der Untergrund an der Baustelle sumpfig sei. Das aber wußten selbst schon die Altvorderen bei der Erstbesiedlung Jüterbogs. Denn um einen sicheren Platz für ihre Burg zu haben, suchten sie sich einen entsprechend feuchten Ort aus, der nur über einen Knüppeldamm erreichbar war. Hier stellt sich die Frage, hat das zuständige Planungsbüro sich gar nicht erst nach Jüterbog auf den Weg gemacht, um sich an Ort und Stelle von den Gegebenheiten zu überzeugen? Oder wurde bewußt zunächst ein niedriges Kostenangebot eingereicht, um so den Zuschlag für die Bauarbeiten zu bekommen, schon wissend, daß später nachberechnet werden muß? Im ersten Fall wäre es grob fahrlässig, im zweiten ein vorsätzlicher Betrug. Die Folgen für die Stadt sind enorm. Sie muß nun fast eine Million Euro Eigenleistung zusteuern, eine Summe, die zuvor in dieser Größe nicht eingeplant war. Das Geld ist dann anderen, die fest damit gerechnet haben, notwendigerweise wegzunehmen. Das erinnert stark an die böse Entwicklung, die wir zu Zeit auch auf globaler Ebene erleben. Unfähige oder vorsätzlich betrügerische Bankmanager verursachten einen unermeßlichen Schaden, den jetzt die Steuerzahler über Generationen brav zu berappen haben. Wenn sich schon die Berliner Regierungsparteien als bloße Handlungsgehilfen der Banken erweisen, ohne daß sie Anstalten machen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. So würde ich mir von unseren Jüterboger Lokalpolitikern ein besseres Beispiel erwarten, indem sie, bevor sie den Scheck unterschreiben, zunächst klären, wer ist der Schuldige für die Kostensteigerung beim Straßenbau. Und der muß dann auch zur Verantwortung gezogen werden, notfalls gerichtlich einschließlich des materiellen Schadenersatzes. Mit Spannung erwarte ich die Presseberichte über diesbezügliche Diskussionen in der Stadtverordnentenversammlung. Denn man will ja schon im Vorfeld der Wahlen wissen, ob die Parteien auf lokaler Ebene die gleiche Politik machen wie die in Berlin.

Der Leserbrief wurde am 2. April 2009 veröffentlicht.

Zum Stadtentwicklungskonzept INSEK
26. Juni 2008 Leserbrief zur MAZ vom 25. Juni 2008 „Ein gigantischer Aufgabenberg“

„Junge Familien wollen nicht in die Altstadt. Sie wollen ein eigenes Haus bauen.“ So wird der Vertreter des Bauernverbandes aus der Stadtverordnetenversammlung zitiert. Und zwar als Reaktion auf das Stadtentwicklungskonzept (Insek), welches Vorhaben der Stadt bis zum Jahre 2020 umreißt. Die Stadtplaner hingegen schlagen vor, leer stehenden Wohnungen und Geschäfte besser zu vermarkten. Und das heißt, ganz im Gegensatz zu dem oben zitierten Stadtverordneten, der Verzicht auf neue Wohnbauflächen am Stadtrand.

Unser Stadtbild, namentlich die Altstadt, ist über Jahrhunderte in seiner Einzigartigkeit gewachsen. Es ist noch nicht zu spät, um dieses wertvolle Erbe zu erhalten. Doch es droht, daß dieser Schatz dem privaten Gewinnstreben und dem Egoismus einzelner geopfert wird. Sei es dadurch, daß Einkaufsbaracken der Supermärkte geschlossene Straßenzeilen zerreißen und damit das Stadtbild verschandeln oder daß durch Neubaugebiete an den Stadträndern die Altstadt ausdünnt und damit verarmt wird. Ich glaube nicht, daß es erstrebenswert wäre, auch aus Jüterbog ein „Lückenwalde“ zu machen. Die beiden Neubauten gegenwärtig am Oberhag zeigen auch, daß man gegensteuern kann.

Anstatt weitere Neubaugebiete an der Peripherie aufzumachen, sollten Bauwilligen leerstehende Häuser oder Lücken in der Altstadt als Bauplatz vorgeschlagen bekommen, um diese wieder zu beleben. Wenn ihnen dabei mit Fördermaßnahmen und unbürokratischer Hilfe von Seiten der Verwaltung geholfen würde, dann wären allen gedient, den Bauherrn wie dem Gemeinwesen. Denn der Erhalt eines intakten Zentrums ist nicht allein touristisch von Bedeutung, sondern sichert unseren Ladenbesitzern in schwierigen Zeiten ihre Existenzgrundlage und wirkt anziehend für weitere Wohnungssuchende.

Natürlich mache ich mir mit solchen Vorschlägen bei denen, die draußen auf der grünen Wiese mit der Vermarktung von neuem Bauland ihren Schnitt machen wollen, keine Freunde. Doch ich denke, die Zahl derer, die Interesse an einem lebendigen und funktionierenden Stadtzentrum haben, ist weitaus größer – wenn auch leider nicht so einflußreich.

Zum Umgang mit Denkmalen in Jüterbog 2
29. Mai 2008 Leserpost zu den Zeitungsbeiträgen „Schwerter zu Touristenscharen“ (MAZ 14.5.2008) und „Was weg ist, ist weg – für immer“ (MAZ 16.5.2008)

14.00 Uhr war als Beginn des „Ortsgespräches“ zu Geschichte und Gegenwart von Jüterbog 2 angesetzt. Wollten die Akteure der Veranstaltung nur ihren Feierabend nicht verpassen oder ging es darum, unter sich zu bleiben, in dem die Veranstaltung werktags in die normale Arbeitszeit gelegt worden ist? Dabei hätte es so manche Frage gegeben, die öffentlich diskutiert werden sollte. Einige Grundbesitzer in Jüterbog 2 spekulierten vor rund zehn Jahren auf steigende Bodenpreise, falls der Flughafen Berlin-Brandenburg nach Jüterbog kommen werde. Der Airport hat sich erledigt, der Gewinn damit auch.  Nun schieben die „Investoren“ den  Verlust an uns Bürger. Und das ist auch noch verbunden mit einem enormen Verlust an Kulturgut. Wo war zum Beispiel der Denkmalschutz, als das monumentale Kalaschinikow-Bajonett, das die Traditionswand der Poltawa-Division an der Hauptwache flankierte, privat verhökert worden ist? Da klagt heute der Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege, „wenn ein Denkmal hier verschwindet, dann ist es auch unwiederbringlich verloren“(MAZ 16.5.08). Doch wo war seine Behörde, als die Turmkaserne zur Schrottgewinnung ruiniert worden ist? Jüterboger Ladenbesitzer werden gemaßregelt, wenn ein Werbeschild nicht ins Stadtbild paßt. In Jüterbog 2 gelten diese hohen Maßstäbe scheinbar nicht. Anfang Februar 2005 wurde die markante Turmkaserne eingerissen, um angeblich Passanten vor herabfallenden Dachziegeln zu schützen. Tatsächlich sind die einen enormen Schrottpreis verkörpernden Stahlträger herausgenommen worden, zurück blieb eine gräßliche Ruine. „Nur Barbaren zerstören so etwas“ heißt es von der Unteren Denkmalschutzbehörde (MAZ 4.2.05). Auch sprach man seitens der Kreisverwaltung von „Straftat“ (MAZ 4.2.05) sowie „illegalen Abriß“ (MAZ 8.2.05). Nun glaubt der Bürger, daß es dafür eine angemessene Strafe gegeben hätte. Doch weit gefehlt! Anstatt Sanktionen für den Frevel gab’s kurz darauf von der Kreisverwaltung die Erlaubnis, auch noch die dazugehörigen Pferdeställe einzureißen, nachdem die wertvollen gußeisernen Säulen gewinnbringend vermarktet worden sind. Da vermutet man sehr gute Freunde in den Amtsstuben. Zurück blieb eine häßliche Ruinenlandschaft. Jetzt, wo für den Eigentümer aus den Resten nichts mehr herauszuholen war, kauft ihm die Stadt freundlicherweise Teile der Trümmerlandschaft ab. Und wir alle tragen dafür die Kosten. Insgesamt will man eine Million Euro dafür investieren (MAZ 18.2.05), allein im ersten Bauabschnitt waren es 620 000 Euro, wovon die arg gebeutelte Stadtkasse 20 % zu übernehmen hat (MAZ 4./5.5.05.). Weitere Sicherungsmaßnahmen an umliegenden Gebäuden hatte die Untere Bauaufsicht „wegen der Zahlungsunfähigkeit des Vorbesitzers vorfinanziert“ (MAZ 18.2.05). Mit dem seltsamen Titel „Viertes Tor der Stadt“ soll an der Stelle der Pferdeställe ein Parkplatz entstehen, den da eigentlich niemand braucht. Anders waren aber keine Fördermittel (sprich unsere Steuergelder) dazu zu beschaffen (MAZ 12.7.05). Nicht viel besser sieht es aus mit der Neuen Artillerieschule. Dieser Eigentümer gilt als „nicht erreichbar“, um die Pflicht genommen zu werden. Ein Bruchteil der Kosten der vielen teuren Planungsstudien für die Zukunft von Jüterbog 2 hätte ausgereicht, sich die nötigen Daten aus dem Handelregister zu holen, um den Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ in die Tat umzusetzen. Statt dessen soll laut Planungsbüro ein touristischer Wanderpfad durch eine „inszenierte Ruinenlandschaft“ (MAZ 16.5.08) angelegt werden. Sicher hat die profunde Kennerin der Jüterboger Garnisongeschichte mit ihren Stelen vor, auch eine Tafel dem Thema Konversion zu widmen. Darauf könnte zum Beispiel stehen: „Wertvolle Baudenkmale von Spekulanten mit behördlicher Duldung dem Verfall preisgegeben.“

Verschiedenerlei Maß Moral ?
20. Januar 2008 Leserpost zur MAZ vom 18. Januar 2008 „Die Panzer kehren vielleicht zurück“

Da will also ein Investor in Forst Zinna einen „Panzer-Freizeitpark“ errichten. Panzer fahren zum Geldverdienen. Vor acht Jahren hatte der Garnisongeschichtsverein „St. Barbara“ eine ähnliche Idee gehabt. Doch bei uns ging und geht es darum, ein als gemeinnützig anerkanntes Museumsprojekt auf diesem Wege finanzieren zu helfen, um den Steuerzahler nicht auch noch auf der Tasche zu liegen.

Das Vorhaben löste damals bei einigen Leuten einen Sturm der Entrüstung aus. Fraglos gibt es zahlreiche Menschen, denen aufgrund ihrer persönlichen Erlebnisse oder wegen ihrer Weltanschauung bzw. ihres Glaubens Kriegswaffen ein Greuel sind. Und wer ehrlichen Herzens Probleme damit hat, daß fahrende Panzer zur Schau gestellt werden, verdient fraglos Beachtung und Rücksicht.

Leider drängt sich aber aus den Erfahrungen der Vergangenheit in Einzelfällen der Verdacht auf, daß Aktivisten der Bürgerinitiative „Panzer nein danke“ auch andere Zwecke verfolgten. Vielleicht ging es einigen darum, sich öffentlich als Gutmensch zu profilieren, um damit Wahlkampf zu machen oder auf der Karriereleiter in seinem Amt weiter voranzukommen. Eventuell spielte es auch eine Rolle, ein Vorhaben zu verbeißen, das vielleicht mehr Besucher anlockt als die selbst geleitete Einrichtung, als Mitglieder einer Familie von Haus zu Haus zogen, um Unterschriften gegen den Garnisongeschichtsverein zu sammeln. Schließlich stürzte sich die herbeigerufene Journalie auf die Provinzposse. Ohne Rücksicht auf den Wahrheitsgehalt, wie später in Sebnitz, übertrumpften sich die Massenmedien gegenseitig mit Sensationsmeldungen. Zuletzt hieß es, wir hätten SS-Leute beschäftigt, wir hätten mit Panzern scharf geschossen, und das alles hätte auch noch auf Kirchengelände stattgefunden. Die Stimmungsmache trug mit dazu bei, daß sich die Behörden zurückzogen und mit allerlei Gründen und Vorwänden etliche Planungen zunichte machten. Auf jeder Ödfläche, die wir als Veranstaltungsgelände ausgesehen hatten, wurde schützenswerter Trockenrasen entdeckt. Im Einzelfall wurde uns sogar schriftlich bescheinigt, daß die Fahrzeuge Grashüpfer in ihrem Lebensraum bedrohen würden.

Nun haben wir mit dem kommerziellen Vorhaben Forst Zinna einen Prüfstein dafür, wie weit die Aktivisten von damals tatsächlich für Glauben und Moral kämpften oder ob statt dessen nur private Rechnungen beglichen worden sind. Die Zeit wird es zeigen.

Die Suche nach dem Kompromiß (Thema Denkmalschutz)
13. September 2007 Leserbrief zu dem Bericht der MAZ, S. 16

„Märkische Rothenburg“ oder „Märkisches Mantua“ sind schon seit älteren Zeiten Werbeslogans für die touristische Vermarktung der Stadt Jüterbog. Und erst kürzlich konnte die Presse melden, daß die Übernachtungszahlen bei Hotels und Pensionen erfreulicherweise angestiegen sind. Das ist sicher nicht deshalb der Fall, weil man hier im Zentrum bequem in diversen Supermärkten einkaufen kann. Diese Konsumtempel sehen in ganz Europa egal aus. Nicht nur, daß sie allerorts die gleiche einfallslose Fassade haben, auch die Wurst schmeckt inzwischen überall gleich. Die Globalisierung läßt grüßen.

Gerade unter diesen Umständen sollten unsere letzten regionalen Alleinstellungsmerkmale gepflegt und gehütet werden. Die Akropolis in Athen oder das Kolosseum in Rom sind baufällige Ruinen und beide stehen auf teurem Baugrund. Doch die Verantwortlichen dort wissen, daß die Touristen von weit her kommen um die Baudenkmale und das historische Ambiente zu sehen, nicht um beim beliebigen Discounter Schnäppchen zu jagen, die es bei der gleiche Kette auch zu Hause gibt.

Wenn die Hälfte aller Denkmale des Landkreises in Jüterbog registriert ist, so sehen das einige als Bürde. Ich meine, es ist ein Schatz, den uns die Vorfahren hinterlassen haben. Schon beim Bau der (DDR)Konsum-Kaufhalle redeten Denkmalschützer und Städteplaner mit, wodurch die geschlossene Häuserzeile der Mönchenstraße erhalten blieb. Gleiches gilt in der Neuzeit mit dem Bau des REWE-Marktes, dessen Platz die Ansicht der Großen Straße auch nicht zerrissen hat. Mit gutem Willen ist es also machbar, Großmärkte im Zentrum zu etablieren, ohne gleich die Stadtansichten wie am Neumarkttor zu ramponieren. Gegenwärtig ist man dabei, in der Zinnaer Vorstadt den gleichen Fehler zu wiederholen.

Da beschweren sich einzelne Leute, daß der Denkmalschutz ihren Geschäftsinteressen im Wege wäre. Was nutzen denn die zu Einkaufsmärkten oder Eigenheimen „veredelten“ Baugrundstücke, wenn es hier keinen guten Grund zum wohnen und erst recht keinen gibt, in diese Stadt zu reisen? Es ist ein Grundübel dieser Gesellschaft, das alles nur kurzsichtig betriebswirtschaftlich, doch kaum einer volkswirtschaftlich denkt. Ich hätte mir beispielsweise eine souveräne Denkmalschutzbehörde gewünscht als die Turmkaserne und die Pferdeställe in Jüterbog 2 zur Schrottgewinnung ruiniert worden sind. Dem Vernehmen nach, ist dafür bis heute noch niemand zur Verantwortung gezogen worden.

Wenn es nicht schon in preußischer Zeit in Potsdam und Berlin Denkmalschutzbehörden gegeben hätte, wären im 19. Jahrhundert die Stadttore beseitigt und die Mönchenkirche abgerissen worden. Wie die Chronik beweist, hatten Verantwortliche in Jüterbog damals ein Problem damit, mit falschem Fortschrittsglauben den kulturellen Wert ihrer geschichtsträchtigen Stadt zu erfassen und mußten mit behördlichem Druck eines Besseren belehrt werden. Ich hoffe doch, daß das inzwischen wirklich Geschichte ist.

   Antwort auf einen Leserbrief „Denkmal war umstritten“ vom 16. März 2006

25. März 2006  Leserzuschrift an das Jüterboger Echo, Lokalredaktion der MAZ

Nicht nur das Denkmal auf dem Jüterboger Nikolaikirchhof war umstritten, das gilt auch für den Umgang mit ihm. Ich halte es für eine Anmaßung, einem alten Denkstein eine neue Botschaft einzumeißeln, nur um dem Zeitgeist zu huldigen. Denn die, die ihn aufstellten und bezahlten, wollten etwas anderes. Dazu kommt, daß der Stein nach meinem Wissen nie der Kirchengemeinde gehört hat, sondern ihr nur treuhänderisch überlassen worden war.

Vergegenwärtigen wir uns die Geschichte. Der Erste Weltkrieg war vorüber. Unter den Millionen von Toten waren auch zahlreiche Jüterboger. Doch das nicht allein. Statt eines gerechten Friedens fiel nun Deutschland unter die Räuber. Unzählige verloren ihre angestammte Heimat. Vertriebene aus Posen und Oberschlesien hausten in den Fuchsbergkasernen und im Luftschiffhafen Niedergörsdorf, Elsaß-Lothringer bezogen Baracken in Markendorf. Den Unterlegenen war totale Abrüstung verordnet, während die anderen eifrig weiterrüsteten. Die Siegermächte nutzten ihre Macht aus, um maximale Beute zu machen. Die utopische Summe von zunächst 223 Milliarden Goldmark ist Deutschland als Schuld auferlegt worden. Die Folge war der totale Verfall der Inlandswährung, eine galoppierende Inflation. Der damalige Reichskanzler Scheidemann hatte im Mai 1919 unter dem Beifall der Abgeordneten der Nationalversammlung erklärt: „Dieser Vertrag ist unannehmbar… wir … sollen die Sklavenschichten für das internationale Kapital schieben, Frondienste für die ganze Welt leisten.“ Der Fleischkonsum der Bevölkerung lag 1922 bei der halben Menge von 1912, der Brotverbrauch war um mehr als ein Viertel gesunken. Die Folge waren Massenerkrankungen an Tuberkulose, Rachitis, Skorbut und Hungerödeme. Der britische Kommandeur der Besatzungstruppen, General Plumer, schrieb an seine Regierung: „Unsere Truppen können den Anblick der verhungernden Kinder nicht mehr ertragen…“

Um die maßlosen Forderungen durchzusetzen und die deutschen Kohlevorkommen exzessiv auszubeuten, besetzten im Januar 1923 60.000 französische und belgische Soldaten das Ruhrgebiet. Und zu gleicher Zeit veranlaßte eine Jüterboger Bürgerinitiative den Bau eines Denkmals zum Gedächtnis an ihre Kriegstoten. Unter diesen Umständen ist die Wahl der Inschrift zu verstehen, die heute manchen nicht mehr ins schwarz-weiße Geschichtsbild paßt. Doch mit dem Auslöschen der Erinnerung kann man Geschehenes nicht ungeschehen machen.

Es ist falsch, wenn G. A. in seiner Leserpost behauptet, daß die Stadt den Bau des Denkmals nicht unterstützt hätte. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sogar eine Kreditaufnahme in Höhe von 30 Milliarden (Inflations-)Mark zur Unterstützung des Denkmalbaus bewilligt. Die Gesamtkosten für das Denkmal beliefen sich auf 118.099.791.845,- Reichsmark. Die größten Spenden kamen von bekannten städtischen Geschäftleuten; an der Basis jeder Säule ist ein Name von ihnen vermerkt.

Es ist richtig, daß der Magistrat der Stadt sich am 26.10.1923 nicht bereit erklärte, das Denkmal „in Schirm und Obhut“ zu nehmen. Niemand wußte recht, wo der politische Weg hingehen wird bei den ständigen Aufständen und Putschversuchen von links und rechts gegen die junge Republik. Ein sicherer Fels war dagegen die evangelische Kirchengemeinde. Sie verkörperte damals die überwiegende Mehrheit der Einwohnerschaft und garantierte ihnen die Wahrung von Werten und Traditionen, die die Gesellschaft zusammenhielten. Bei einem feierlichen Gottesdienst am 28.10.1923 erteilte Oberpfarrer Garlipp dem neuen Denkmal die kirchliche Weihe und versprach „Obhut und Pflege“. Die Stifter konnten also guten Glaubens sein, das Werk in sichere Hände gegeben zu haben .

Und rund ein Menschenleben lang gab die Kirchengemeinde tatsächlich dem Stein die Sicherheit, die die Kommune nicht gewähren konnte oder wollte. Jetzt aber, wo die Gemeinde nur noch einen weit geringeren Teil der Bürger verkörpert, halten es ihre Repräsentanten und politischen Freunde für richtig, den Stein für ihre „message“ zu verwenden. Das Bürgerforum beantragte 1977 laut Presse, eine neue Inschrift anzubringen. Noch im Juni schrieb die MAZ dazu: „Die untere Denkmalbehörde lehnte allerdings ab.“ Doch bald darauf hat sich scheinbar auch die Denkmalbehörde dem Zeitgeist gebeugt. Wir sind damit nicht nur reicher um eine neue versteinerte Botschaft, sondern auch um ein Lehrstück in Sachen Moral.

(Der Brief wurde mit größeren Auslassungen in der Zeitung veröffentlicht.) 

Zum Erhalt heimatlichen Brauchtums - Karideln oder Haloween ?
2. Februar 2006 Leserbrief an das Jüterboger Echo, der Lokalredaktion der MAZ

Der Kommentator des Jüterboger Echo vom 31. Januar beklagt, "Stück für Stück schwindet das Interesse am Erhalt der Fastnachtstradtion" und stellt fest, daß das verloren geht, was als Heimatgefühl bezeichnet wird. Er hat recht. Die Frage ist nur, woran liegt es?

Die aktuelle wirtschaftliche Situation kann es nicht sein. Bei allen ersten Sorgen, die wir heute haben, müssen wir anerkennen, unsere Vorfahren hatten weitaus Schlimmeres durchgemacht - und trotzdem ließen sie ihr Brauchtum nicht eingehen.  Unser Problem liegt woanders und zwar im Nachäffen fremder, konkret US-amerikanischer Kultur. Ob es in der Musik ist, denn auf welchem Sender hört man noch Lieder in unserer Muttersprache? Ob es in der Umgangssprache ist, denn warum muß am Jüterboger Ladenschild "Open" stehen? Ich denke, es kommen noch immer mehr Kunden aus dem Ländeken als aus Amerika hier in der Stadt einkaufen. Also beim wem will man sich damit anbiedern? Und zu guter Letzt, warum posieren alljährlich Kindergärtnerinnen mit ihren für Haloween maskierten Kindern in der Zeitung. Warum sehen die Erzieherinnen ihre Aufgabe nicht darin, die Kinder mit unseren Bräuchen, wie dem Karideln vertraut zu machen? Bestimmt, weil es nicht "in" ist.  
Während die Heischgänge beim Karideln mit Bitt- und Dankgedichten liebenswürdige Umgangsformen pflegten, so ist der amerikanische Kürbischfasching von Aggressivität geprägt. Als ich auf die Forderung "Süßes oder es gibt Saures!" an der Haustür den Kindern sagte, kommt bitte Fastnachten wieder, da will gern etwas geben, fand ich anschließend Auto und Briefkasten mit Zahnpasta beschmiert. Schönen Dank noch dafür. Das ist weder lustig noch Zeichen von kultiviertem Leben. Kein Wunder, daß selbige Jugend später im Erwachsenenleben ebenso versuchen wird, mit Gewalt das zu erreichen, was sie haben möchte.
Uranmunition im Raum Jüterbog?
Januar 2001 Leserbrief an die MAZ

Bei der Berichterstattung zum Kosovokrieg sickerten immer mehr Nachrichten durch, daß von Seiten der Nato uranhaltige Munition eingesetzt worden ist. Das veranlaßte einen Leserbrief, der in ähnlicher Form auf der Jüterbog Lokalseite der MAZ wiedergeben worden ist:

Heidehof uranverseucht?

Seit einigen Tagen ist die von der Nato im Krieg gegen Serbien verschossene Uran-Munition ein Thema in den Nachrichten. Es heißt, daß nun auch ein deutscher Soldat deshalb an Blutkrebs erkrankt ist. Wir haben die selbe Situation wie nach dem Krieg gegen den Irak. Erst als US-amerikanische Soldaten an dem sogenannten Golfkriegssyndrom erkrankten, wurden die Folgen der Uran-Munition thematisiert. Schon 1996 schrieb S.-H. Günther unter dem Titel "Uran-Geschosse: Schwergeschädigte Soldaten, missgebildete Neugeborene, sterbende Kinder" eine Dokumentation über den Einsatz von solcher Spezialmunition  im Irak. Damals wie heute wird allein über die geschädigten eigenen Soldaten mitleidsvoll gesprochen, wie es der Gegenseite, vor allem der betroffenen Zivilbevölkerung geht, darüber findet sind in der Regel kein Wort in dem Medien.

Worum handelt es sich bei dieser Munition eigentlich? Nachdem die Mehrschichtenpanzerung die klassische Hohlladungsgranate  zum Bekämpfen von Panzern unwirksam machte, sann die Rüstungsindustrie der Weltmächte nach neuen Methoden. Das Mittel der Wahl war ein Geschoß mit besonders gehärtetem Kern, der mit hoher Geschwindigkeit auf das Ziel trifft und so auch keramische Zwischenschichten von gepanzerten Fahrzeugen durchschlägt. Um dem Projektil eine maximale Masse auf kleinsten Raum zu verleihen, sind dem Stahl Zuschlagstoffe mit hoher Atomwertzahl beigegeben. Uran bietet sich dabei besonders an, es ist sehr schwer und weist zugleich große Härte auf. Es geht also nicht um die Strahlung des Materials, sie ist lediglich ein Nebeneffekt, der mit in Kauf genommen wird. Trifft ein derartiges Projektil auf ein gepanzertes Ziel, so verstauben Teile des Materials, wobei nicht nur die strahlende Komponente des Urans schädlich wirkt, sondern das Schwermetall schon an sich hochgiftig ist.

Die US-amerikanische Kernindustrie gibt ihre Atomabfälle kostenlos an das Militär ab. Auch das ist eine Art der "Entsorgung". Die Nato-Staaten verschießen vorsorglich diese Munition nicht auf ihren Truppenübungsplätzen. Ein Testschießen erfolgt nach Insiderinformation nur auf hoher See. Doch gegen Feinde bestehen keine Beschränkungen. Im I. Zusatzprotokoll von 1990 zu den Genfer Abkommen heißt es im Artikel 35: "Es ist verboten, Waffen, Geschosse und Material sowie Methoden der Kriegsführung zu verwenden, die geeignet sind, überflüssige Verletzungen oder unnötige Leiden zu verursachen. Es ist verboten, Methoden und Mittel der Kriegführung zu verwenden, die... ausgedehnte, langanhaltende und schwere Schäden der natürlichen Umwelt verursachen." Die USA haben dieses Zusatzprotokoll nicht unterzeichnet.

Was hat das alles mit Jüterbog zu tun? Auch die Sowjetarmee verfügte seit den 70er Jahren über DU-Munition, also uranlegierte Hartkerngeschosse (Die Militärs kreierten dafür den Begriff vom "abgereicherten" Uran, was die Presse wegen der beschönigenden Form gern übernahm.). Es gibt Vermutungen, daß mit solchen Waffen auch auf den Jüterboger Truppenübungsplätzen (TÜP) hantiert worden ist. Einmal finden sich in großer Zahl sogenannte Panzerpfeile auf den TÜP Jüterbog und Heidehof. Dabei handelt es sich um unterkalibrige flossenstabilisierte Hartkerngeschosse (Nato-Begriff : APFSDS), die mittels Treibspiegel auf eine Geschwindigkeit von rund1800 Metern pro Sekunde gebracht werden. Den Laien ist nicht ersichtlich, um welche Legierung es sich bei dem jeweiligen Fundstück handelt. Des weiteren ist auf dem Luft-Boden-Schießplatz "Bombodrom" östlich des Golm von Flugzeugbordwaffen mit kleinkalibriger panzerbrechender Munition auf Hartziele gefeuert worden. Auch unter diesen Geschossen kann DU-Munition vermutet werden.

Es ist nun von seltsamen Leukämiefällen in unserem Raum die Rede. So wurde berichtet, daß zwei Männer, deren Freizeitbeschäftigung in den 90er Jahren darin bestand, die Bunkeranlagen auf dem TÜP Jüterbog zu inspizieren, im gleichen Jahr Leukämie bekamen. Beide sind schließlich rund ein Jahr später in Abstand einer Woche daran gestorben. Das scheint mehr als Zufall zu sein. Als unlängst niederländische Soldaten im Kreisgebiet ein militärische Übung abhielten, erklärte ein Offizier dem Verfasser, die ehemaligen  russischen Gebiete würden sie nicht betreten, die radioaktive Gefahr wäre zu groß...

Wo sind eigentlich die Ergebnisse der großangelegten Untersuchung der TÜP? Spektakulär wurden Sonden an Hubschrauber gehängt u. dgl. mehr.  Es wäre angebracht, Forstarbeiter, ehemalige ABM-Kräfte und andere, die sich längere Zeit auf den Plätzen aufhielten gezielt zu untersuchen. Auf jedem Fall sollte die Einteilung der  Sicherheitszonen, insbesondere die rot markierte, dringend beachtet werden.

Auf die Veröffentlichung von den tödlichen Leukämiefällen in o. g. Leserbrief meldete sich beim Verfasser ein Elternpaar aus einem nahegelegenen Dorf und erzählte, daß auch ihr Sohn an solch einer ungewöhnlich schnell tödlichen verlaufenden Leukämie verstorben ist. Er war Forstarbeiter und arbeitete im Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes Jüterbog.